Geschichte

Funkensonntag in Gerbertshaus – Oberschwaben

Zum Funkensonntag, dem Sonntag nach Aschermittwoch,                                 bauen die Funkengesellen auf einem von der Gemeinde dafür extra               bereit gehaltenen Platz in tagelanger Arbeit einen „Funken“.                              Sie schichten alles Brennbare, das sie in den Wochen zuvor                                gesammelt haben, in einem aus entasteten Tannenstangen                                gebautem Pyramidenstumpf, der je nach Stammlänge der Tannen eine Höhe zwischen 18 und 26 Metern haben kann.                                                        Die Bauern stellen für diese Arbeit am Funken-Samstag und                              das Anfahren des Brennmaterials ihre Traktoren zur Verfügung.                      Aufgrund seiner Bauart, kann der Gerbertshauser Funken als einer                der anmutig-sten und imposantesten betrachtet werden.                                    Damit der fertige Funken von irgendeiner Konkurrenz nicht angezündet werden kann, verbringen die Funkengesellen die Nacht vor dem                      Funken-Sonntag in Wechselschicht der Wachablösung bis hin zum                Sonntagabend, nahe ihrem Funken. Am Sonntagabend setzt ihn dann          der Funkenmeister in Brand.

Zur Historie und heutigem Funkenbrauchtum

Das Abbrennen eines Funken rührt aus früheren Bräuchen und                        Überlieferungen. Seit alters her fand das Abbrennen der Funkenfeuer am Sonntag nach Aschermittwoch statt. Die Tradition wurde bis 1968 im Ortsteil Gerbertshaus-Lochbrücke so gepflegt. Dazu brachten die                  Einwohner selber Brennmaterial, um ein Funkenfeuer zu entfachen.

Am 14.Februar 1968 scharten sich zehn bodenständige,                                    heimatverbundene Männer zusammen und gründeten die                                 Funkengemeinschaft Gerbertshaus-Lochbrücke.

Gründung

stehend v. l. nach r.:
Karl Wirth, Ernst Kleck, Franz Birk, Hans Fugel, Georg Ruf, Josef Reutemann

sitzend v. l. nach r.:
Karl Reusch, Hans Sauter, Josef Sterk, Hermann Langegger, Karl Fritzenschaft

Schon am 2. März 1968 wurde der erste Funken von den Funkengesellen  am Degelbach errichtet. Der Funken wurde nach einem Bludenzer                Vorbild aufgebaut. Eine Mittelstange und vier Außenstangen,                          oben zusammengeführt zu einem hohen Spitzkegel.                                               Inzwischen ist der Spitzkegel durch einen Pyramidenstumpf ersetzt.

Seit 1968 gibt es Protokollbücher, die alle Aktivitäten des Vereins                  aufzeigen. Beim ersten Funken wurde damals ein Kinder-Lampionumzug  vom Hof des Funkenmeisters in Hintergerbertshaus zum Funkenplatz         eingeführt. Jedes Kind mit Lampion erhielt einen Funkenring.                           So ist es auch heute noch Brauch. Auch dass dem Umzug der                            Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr, Abt. Kehlen, mit klingendem     Spiel voraus geht, ist bis heute noch so. Ebenso Brauch ist,                                  dass die Musikkapelle Kehlen das Abbrennen musikalisch begleitet.

Im Jahre 1971 zählte der Funkenverein bereits 26 Mitglieder, Männer und Frauen. Schon damals wurde ein Bauwagen zum Schutz gegen die Witterung zur Verfügung gestellt. Stände wurden aufgebaut,                            um den  Besuchern Essen und Getränke zu bieten.
Die Funkengemeinschaft war bereits stark in der Brauchtumspflege              verankert, hatte aber keine rechtliche Basis. Seit dem 01.01.1973 ist beim Amtsgericht Tettnang die  „Funkengemeinschaft Gerbertshaus-           Lochbrücke e.V.“ als eigenständiger Verein bestätigt.
Von da an, nahm das Vereinsleben geregelte Formen an.

Die Funkengemeinschaft war von Beginn an in das Vereinsleben der             übrigen Vereine der Gemeinde eingebunden. Innerhalb der Gemeinschaft wurde die Zusammengehörigkeit, Kameradschaft und Verbundenheit         gepflegt. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Ver-änderungen und Neuerungen.

Angeschafft wurde eine Funkentracht mit Wappen, ebenso ein                        Funkenwagen. Ein Funkenfloß wurde gebaut, um an der Schussenflotte      teilnehmen zu können. Mit diesem Floß wurden die Ferienspiele für die Kinder der Gemeinde Meckenbeuren unterstützt.

Der Funkenplatz wird der Funkengemeinschaft von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Der Aufbau erfolgt weitgehendst von Hand mit                teilweise technischer Unterstützung.

Aus Umweltschutzgründen wird seit über zwei Jahrzehnten                              grundsätzlich unbelastetes Brennmaterial in Anwendung gebracht.              Die Funkenstangen werden weitgehendst von Waldbesitzern gespendet.    Der Aufbau erfolgt bei allen Wetterlagen, bei schönstem Frühlingswetter,  bei Regen und kaltem Wind, bei Frost, bei Schnee und Matsch und auch    bei Hochwasser der Schussen.

Der Ablauf um den Funkenbrauch hat sich gegenüber dem ersten Funken von 1968 kaum verändert. Am Donnerstag nach Aschermittwoch trifft man sich zur Arbeitssitzung.
Im Funkenwagen werden während der Aufbauarbeiten die                                Funkengesellinnen und Gesellen
verköstigt. Stände werden aufgebaut, um die Kinder und Besucher gegen Hunger und Durst zu versorgen.
Der Funkenwagen ist von Samstag bis Sonntag für Besucher durchgehend geöffnet. Zur Unterhaltung kann man am Funkenring-Würfeln                         teilnehmen.
Am Sonntag beginnt das Funkenabbrennen mit dem Lampionumzug der Kinder von Hintergerbertshaus zum Funkenplatz.                                                   Auf der Eisenbahnbrücke erhält jedes Kind mit Lampion einen                         kostenlosen Funkenring. Nach einer kurzen Begrüßung am Funkenplatz, wird dann der Funken angezündet.

„Buschele und Stroh – Fuirio“

„ Buschele und Stroh – Fuirio“