Brauchtum

Funken-Gemeinschaft Gerbertshaus-Lochbrücke

Ursprung und Geschichte des Funken von Wolfgang Troeder

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde von der volkskundlichen Wissenschaft die heidnische Interpretation stark verbreitet und stellt heute die        landläufige Brauchtums-Erklärung.
Die europäische Ethnologie spricht von einem differenzierten Bild.          Die Brauchtums – Überlieferungen, einschließlich der Zeiten (Termine), weisen enge Zusammenhänge mit dem christlichen Jahreslauf,                  als auch mit dem Ende der schwäbisch-alemanischen Fasnacht auf.      Der Funkensonntag ist der Beginn der früheren Fastenzeit,                       auch Bauernfasnacht genannt. Im Jahre 1091 wurde auf der Synode zu Benevent der Termin auf Aschermittwoch verlegt. Somit war das               Funkenbrauchtum bereits stark in dem christlichen Leben integriert,         daß man in vielen Gegenden Beginn der alten Fastenzeit beibehielt.
In einer europaweiten Untersuchung von Feuerbräuchen und das                   Abbrennen der Feuer am Funkensonntag haben Volkskundler ermittelt,      daß diese auf noch heute im nördlichen Italien gebräuchlichen Feuer zum  römischen Jahresanfang am 1.März zurück zuführen sind.                                 Im alten Rom wurde an diesem Tage im Tempel der Vesta das heilige    Feuer entzündet. Im Mittelalter wurde die Feier in den christlichen                übernommen. Damit wäre der Ursprung ein heidnischer,                                  aber ein römischer Brauch gewesen. Zudem hatte der Funken auch zur Verbrennung von Unrat gedient. Ebenso stand er auch in der profanen Funktion, die in Verbindung mit der Frühjahrsreinigung von Haus,                  Hof und Wiesen stand.

Erster Fastensonntag – Invokabit – auch Funkensonntag

Der Sonntag nach Aschermittwoch hat seinen Namen nach dem ersten     Wort des Eingangsgebetes: Invocabit me, er wird mich anrufen.                       Weißer Sonntag wird Invocabit auch genannt.
Funkensonntag ist der Name, den ihm der Volksbrauch gegeben hat.           Das Feuer ist ein Sonnensymbol. Die Sonne überwindet den Nebel:                das Feuer, das den Fasching, die Winterpuppe aus Stroh, verbrennt,              vernichtet mit diesen Sinnbildern den Todeszauber. Deshalb taucht               das Feuer im Jahreslauf immer wieder auf, flammt als Trost im Dunkeln,     knattert als Schutz gegen böse Geister und leuchtet als Segen für künftige Fruchtbarkeit. Was jedoch überwunden worden ist, wirkt in seinen                Resten und Überbleibseln abermals als Zauber, nun aber als guter:                deshalb schätzte man die Asche des Opferfeuers und glaubte in ihr die        weiterwirkende Kraft des einstigen Widersachers zur Verfügung zu               haben.
Obwohl in der Vergangenheit die Obrigkeiten immer wieder den Funken    verboten hatte, werden im südlichen Schwaben und vielen anderen              Regionen Deutschlands, heute noch am ersten Fasten-sonntag auf                Anhöhen oder anderen ausgewiesenen Plätzen Holzstöße angezündet.       Sie zeigen das nahende Frühjahr an und vertreiben symbolisch den               Winter. Der Funkensonntag ist nicht nur eine Feier der Dorfjugend,               sondern in der heutigen Zeit auch eine „Pflege des Brauchtums“,                     wahr genommen von örtlichen Vereinen oder gar Funken-Vereinen,               sofern der Aufbau vom Funken vom Gesetzgeber noch zugelassen wird,      unter Teilnahme einer breiten Öffentlichkeit.

Überlieferungen von Sitten, Bräuchen und Mundart
in Meckenbeueren – Kehlen und Gerbertshaus                                               (**Auszug aus der Oberamtsbeschreibung TT)

„ Am Abend des ersten Fastensonntages, der darum Funkensonntag heißt, wird noch überall der Funken angezündet. Kinder sammeln Holz und Stroh dazu. In der Mitte des Haufens wird eine  Stange aufgerichtet, daran eine Puppe, die „Hexe“, angebunden, die verbrannt wird.                        Nach dem Angelusbeten wird der Stoß angezündet.                                               Scheiben werden nicht mehr geschlagen, da dies wegen Feuersgefahr           verboten worden sei, aber man weiß noch davon,                                                    auch dass man die einzelnen Scheiben bestimmten Personen zu Ehren        schlug, etwa die erste der hl. Dreifaltigkeit, die nächsten dem Pfarrer,           Lehrer, Schultheißen, auch verehrten Mädchen mit dem Ruf: Scheiben,        Scheiben, aus und ein, die Scheib’ soll dem Herrn Pfarrer sein“ usw.                Teilweise wird noch um den Funken getanzt. Nachher ziehen die                    Burschen und Männer ins Wirtshaus „zum Funkenlöschen“.                               Das Festgebäck sind die „Funkenringe“, mürbe Ringe mit eingebogenen Enden (also Brezelform) die, nachdem sie im Backofen fertig geworden,       in siedendes Schmalz geworfen und darin nochmals ge- backen werden. Sie spielen eine große Rolle. Im Wirtshaus werden sie heraus gewürfelt,       in den einzelnen Häusern für die Angehörigen ins Schmalz gelegt.                   Burschen bringen sie den Mädchen, welche ihnen einen Teil                               schmalzgebacken zurückgeben.

Die Verse mit denen zum Funken gesammelt wird, heißen:

Büschele und Stroh
geben den Funken hoh! (Langenargen)

Holen, holen Holz und Stroh,
und so wird der Funken hoh“ (Neukirch)

Historie zur Funken-Gemeinschaft Gerbertshaus-Lochbrücke:

Seit 1946 haben die Wirte mit der umliegenden Bevölkerung,                          wie auch schon zu wesentlich früheren
Zeiten**, in der Nähe ihrer Gasthäuser, jeder seinen Funken.

Recherchen und Überlieferungen bestätigen, dass bereits früher und seit 1946 bis 1962 oben an der Eselsbruck Funkenfeuer und                                   das Scheibenschlagen statt gefunden haben. Diese wurden mit initiiert       von Gastwirt Josef Reutemann und interessierten Bürgern der Gemeinde, bzw. von den Ortsteilen Gerbertshaus und Lochbrücke.                                       
1962 wurde im Sommer die Straße zum Flugplatz und durch                            Hinter-Gerbertshaus gerichtet und erstmalig geteert –                                         bis dahin gab es nur „Feldwege“.
Von da an gab es bis 1967 Funkenfeuer im Bereich des Grundstückes der Familie Brugger am Degelbach.

1968, am 14.Februar wurde der Funken-Verein Gerbertshaus-Lochbrücke gegründet.
Der letzte noch lebende Mitbegründer ist Georg Ruf.

Mitbegründer waren:

Karl Wirth, Ernst Kleck, Franz Birk, Hans Fugel, Georg Ruf,                             Josef Reutemann, Karl Reusch, Hans Sauter, Josef Sterk,                                     Hermann Langegger, Karl Fritzenschaft.

Der Traditionsruf der Funkengemeinschaft lautet:

„ Buschele und Stroh – Fuirio“!

In den 60er Jahren wurde Gastwirt Josef Reutemann Ehrenmitglied bei der Funken-Gemeinschaft in Bludenz-Obdorf. Daraus entwickelte sich        eine Partnerschaft zur Funken-Gemeinschaft Gerbertshaus-Lochbrücke.

Zum ersten Vereins-Funken 1968 von Gerbertshaus-Lochbrücke haben die Bludenzer dann die  Hexe mitgebracht, bzw. Josef Reutemann musste beim Lindauer Zoll vorsprechen und die Bludenzer Funkengesellen mit samt der Hexe, welche prall gefüllt mit Schießpulver war, auslösen.

Gerbertshaus, 25. Februar 2011

Quellen-Nachweis:
**- siehe Beschreibung des Oberamts Tettnang
Nationalagentur.unesco.at
Das bäuerliche Jahr – M.Flad
Feste und Bräuche – Gräfin S.Schönfeld
Alte Bräuche – Dr. Hermann Bausinger

 

„ Buschele und Stroh – Fuirio“